Die neue Kapelle der KSG Leipzig

Von September 2012 bis Dezember 2013 lebte ich in Leipzig. Da ich den damaligen Studentenpfarrer Clemens Blattert SJ kannte, war ich vom ersten Tag an oft und gerne (hoffentlich auch gerne gesehen ☺) in der KSG.

Zu dieser Zeit wuchs die KSG nahezu wöchentlich und die Gottesdienste in der alten Kapelle (1. Stock Floßplatz) erstreckten sich über den ganzen Flur bis manchmal ins Treppenhaus – so viele kamen und feierten mit! Durch Fügung konnte in naher Nachbarschaft ein ehemaliges Atelier angemietet werden; es bedurfte jedoch noch „einiger weniger Handgriffe“, damit daraus eine Kapelle werden konnte….Letztendlich stand der komplette Innenausbau an, vom Keller bis zur Decke! Da ich handwerklich ein  bisschen begabt bin, fragte mich Clemens, ob ich nicht mitarbeiten möchte. Gerne sagte ich zu und bis heute bin ich sehr froh über diese Entscheidung.

Der Anfang war etwas mühsam: Der Boden nahm die Farbe nicht so an, wie es gedacht war; im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Baufirma den falschen Estrich verlegt hatte. Dann konnte ein befreundeter Schreiner aus familiären Gründen nicht mehr mitarbeiten, obwohl wir ihn fest eingeplant hatten; auch die Holzarbeiten mussten wir nun selbst übernehmen. Aber im weiteren Baufortschritt lief es immer besser und nach und nach konnte man erkennen, dass der Raum sich entwickelte.

Die Feinarbeiten kosteten wiederum sehr viel Zeit und Energie: Der Architekt Ricky hatte tolle Ideen für die Raumgestaltung, aber die Umsetzung der Details war nicht immer einfach… Dennoch verzagten wir nicht und fanden für alles eine Lösung, einen Kompromiss. Alleine die Verblendung der Leuchten, die nur ein indirektes Licht spenden sollten, war eine große Herausforderung für alle Beteiligten.

 Der Höhepunkt des Ganzen war das Regal im Eingangsbereich und sorgte immer wieder für Erheiterungen: Nach langen Diskussionen konnten wir uns darauf einigen, ein schlichtes schwarzes Regal aus einem schwedischen Möbelhaus zu kaufen, das sich elegant in die dafür vorgesehene Nische einfügte. Nach der Montage kam die Frage auf, ob es nicht viel freundlicher wirken würde, wenn das Regal nicht schwarz, sondern in einem hellen Braunton die Kirchenbesucher begrüßen würde. Da noch genügend Bauholz vorhanden war, verkleideten wir das Regal mit sauber gehobelten Brettern, die auch an anderen Stellen bereits in der Kapelle eingebaut waren und somit bekam der gesamte Raum den berühmten roten Faden, der sich durchzog. Jedoch mussten wir unmittelbar nach der Fertigung feststellen, dass der helle Braunton im Eingangsbereich den ganzen Raum störte!!! 

In unzähligen bilateralen Gesprächen einigten wir uns schließlich darauf, das ursprünglich schwarze Regal, nun mit hellem Braun verkleidet, tiefschwarz zu streichen. Gesagt, getan; auch dieses Problem war gelöst. Wenn es auch ein wenig nach einem Schildbürgerstreich klingt, freuten wir uns am Ende über das Ergebnis!

Diese Zeit war für mich ein einmaliges Erlebnis: Am Bau eines Gotteshauses mitzuwirken – das ist ein Dienst, den heute nicht mehr viele Menschen leisten dürfen. Immer wieder erinnerte ich mich an die Erzählungen meiner Mitbrüder, die unsere Abteikirche in Münsterschwarzach von 1936 bis 1938 erbauten: Bis ins hohe Alter erzählten sie mit strahlenden Augen von dem Kirchbau. Ähnlich erging es mir; an der Gestaltung einer Kapelle mitzuwirken, meinem Gott ein Haus zu bauen – das war eine der schönsten Aufgaben meines Lebens!

Zudem konnte ich die Kapelle schon gegen Ende der Renovierungsphase und die ganze Zeit meines weiteren Aufenthalts in Leipzig als Gebetsort nutzen und war dadurch reich beschenkt!!!

Bruder Abraham

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